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Rettet Nord Stream 2 Europa vor Gas-Knappheit?

Die Fertigstellung der Gas-Pipeline Nord Stream 2 kommt möglicherweise genau zur richtigen Zeit, um einer Gas-Knappheit im kommenden Winter vorzubeugen. Denn die Gasspeicher in Europa sind so leer wie schon lange nicht mehr kurz vor der Wintersaison – und die Preise sind fast fünfmal so hoch wie im Corona-Tief vom Juni 2020. Keine guten Nachrichten für Gasverbraucher.

Eine ungewöhnlich lange und intensive Heizperiode in den ersten Monaten 2021 hat die Gasspeicher in Europa stark geleert. Und da die Lager im Sommer nur ungenügend wieder aufgefüllt worden sind, droht nun eine Gas-Knappheit – zumindest dann, wenn der Winter erneut härter und länger ausfällt als im langjährigen Durchschnitt.

Gasverbrauch so hoch wie seit 1985 nicht mehr

Warum aber sind die Speicher nicht rechtzeitig gefüllt worden, was sind Gründe für eine womöglich drohende Gas-Knappheit? Das liegt zum einen am riesigen Gasbedarf, seitdem die Konjunktur wieder ins Laufen gekommen ist. Die Internationale Energieagentur (IEA)  schätzt, dass Europa seine Gas-Käufe im zweiten Quartal 2021 um 25% erhöht hat. Der Zuwachs fällt so stark aus wie seit 1985 nicht mehr. Das Problem: Die importierte Energie wurde vorwiegend für den laufenden Betrieb von Unternehmen und Kraftwerken verwendet und nicht für den Lageraufbau, der üblicherweise in dieser Zeit erfolgt.

Enorme Preis-Anstiege wegen Gas-Knappheit

Noch etwas kommt hinzu, was die Gas-Knappheit befördern könnte: Die Preise sind so rasant gestiegen. Deshalb haben die Abnehmerländer lange gezögert teuer einzukaufen. Aber das war falsch gedacht, weil die Preise zu Wochenbeginn den höchsten Stand seit 2014 erreicht haben. Im Vergleich zum Jahresanfang sind sie in Europa um 170% gestiegen. Seit dem Tief vom Juni vorigen Jahres, als die Weltkonjunktur und mit ihr der Gas-Verbrauch am Tiefpunkt war, sogar um sage und schreibe knapp 400%.

Die Preise steigen allerdings beileibe nicht nur in Europa. Auch in den USA und vor allem in Asien sind sie zeitweise noch stärker geklettert. In den USA haben die Winterstürme in Texas und der Hurrikan Ida Förderanlagen beschädigt und die Versorgung buchstäblich durcheinander gewirbelt. Und in Asien ist der Konjunkturaufschwung schneller und stärker in Gang gekommen als in Europa, weshalb dort der Energiebedarf enorm zugenommen hat, insbesondere in China, Japan und Südkorea.

„Freiheitsgas“ versus „Russengas“

Ein Argument gegen Nord Stream 2 war ja immer, dass die Versorgungssicherheit in Europa besser durch US-amerikanisches Flüssiggas (LNG), von Donald Trump pathetisch „Freiheitsgas“ genannt,  gewährleistet sei als durch – in Trumps Jargon – „Russengas“. Aber dummerweise haben die US-Unternehmen ihre LNG-Tanker in diesem Jahr lieber nach Asien als nach Europa geschickt, weil dort die Preise deutlich höher sind. Die Einfuhren von Flüssiggas sind deshalb und wegen mangelnder Tanker-Kapazitäten deutlich zurückgegangen.

Nord Stream 2 könnte Gas-Knappheit verhindern helfen

Es ist deshalb gut möglich, dass Europa schon im kommenden Winter auf erhöhte Gaslieferungen aus Russland angewiesen sein wird. Zumal die großen europäischen Förderländer Niederlande, Großbritannien und Norwegen Jahr für Jahr weniger Gas aus dem Boden pumpen. Auch, weil ihre Gasfelder zunehmend erschöpft sind. Mit Nord Stream 2 bekommt Europa zumindest kurzfristig mehr Versorgungssicherheit – und langfristig ist es nicht das Schlechteste, je nach Marktentwicklung zwischen verschiedenen Anbietern wählen zu können.

 

 

 

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