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Nullzinsen und eine stark steigende Inflation entwerten den Euro
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Noch mindestens 5 bis 6 Jahre Nullzinsen

Sparer und Anleger werden noch viele weitere Jahre mit Nullzinsen leben müssen – trotz stark steigender Inflationsraten. Das ist nach den beiden EZB-Sitzungen vom Juli klar.

Inflationsziel von zwei Prozent aufgeweicht und Zinserhöhungen für lange Zeit ausgeschlossen

Die Europäische Zentralbank (EZB) will in Zukunft weniger stabilitätsbewusst werden – also noch weniger bundesbank-like als sie das seit der Finanzkrise 2008 ohnehin schon praktiziert hat. Galt bisher ein Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent, so streben die Frankfurter Geldhüter nun mittelfristig glatte 2,0 Prozent an. Allerdings ist es weniger die am 7. Juli beschlossene leichte Anhebung der Zielmarke, die eine Zinserhöhung in nächster Zeit völlig unwahrscheinlich werden lässt, als der Zusatz: „symmetrisches Inflationsziel“. Denn damit lassen sich EZB-Chefin Christine Lagarde und ihre Kolleginnen und Kollegen alle Freiheiten offen.

Was bedeutet „Symmetrisches Inflationsziel“?

Symmetrisches Inflationsziel bedeutet, dass nach der jahrelangen Phase, in der die Teuerung fast permanent deutlich unter 2 Prozent lag, die EZB eine Periode dulden wird, in der die Inflation nach oben ausbrechen darf. Und das nach der jahrelangen Phase, in der die Teuerung fast permanent deutlich unter 2 Prozent lag. Da die EZB aber nicht definiert, nach welcher Zeit mit höherer Inflation sie eingreifen wird, kann sie ihre Nullzinspolitik beliebig lang fortsetzen. Sie nennt das Flexibilität. In der Rats-Sitzung vom 22. Juli hat sie zudem mit ihrer neuen „Forward-Guidance“, deutlich gemacht, dass sie nicht die Absicht hat, gleich tätig zu werden, wenn die Inflationsrate 2 Prozent übertrifft. Vielmehr muss der Preisanstieg, so die Guidance, dauerhaft diese Zielmarke übersteigen.

Inflationsrate bald bei 5 Prozent?

Österreichs Zentralbankchef Robert Holzmann meinte in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC, diese Festlegung der bisherigen ultralockeren Geldpolitik für die nächsten fünf bis sechs Jahre sei ihm zu lang. Deshalb hat Holzmann, zusammen mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Belgiens Zentralbank-Chef Pierre Wunsch, im EZB-Rat der neuen Absichtserklärung nicht zugestimmt. Weidmann hat in einem FAZ-Interview „die potenziell lange Fortschreibung des Niedrigzinsumfelds“ ebenfalls als zu weitgehend bezeichnet. Er befürchtet, dass die Inflationsrate in Deutschland gegen Jahresende Richtung 5 Prozent tendieren könnte. Und dass die Teuerung hartnäckiger sein könne als es die EZB erwarte. Und dann bekommt die Zentralbank ein Problem, wenn sie nicht rechtzeitig gegensteuert.

Die kalte Enteignung beschleunigt sich stark bei Nullzinsen und Negativzinsen

Schon jetzt ein Riesenproblem haben deutsche Sparer und Anleger. Aber es wird noch größer. Die Inflationsrate im Euroraum insgesamt lag zwar im Juli „nur“ bei 2,2 Prozent, aber in Deutschland erreichte sie mit 3,8 Prozent das höchste Niveau seit fast 30 Jahren. Und da hier zu Lande die Renditen für Staatsanleihen so tief im Minus liegen sind wie sonst nirgendwo in der EU, ist die Realverzinsung am weitesten im negativen Bereich. Minus 0,5 Prozent Rendite für 10jährige Bundesanleihen ergibt bei 3,8 Prozent Inflation eine reale Rendite von minus 4,3 Prozent. Beim Banksparen sieht es nicht viel besser aus, da zahlreiche Geldinstitute Negativzinsen oder Gebühren für größere Beträge eingeführt haben, und ansonsten die Null regiert.

Dividendenwerte statt Nullzinsen oder negativen Zinsen

Wenn Weidmanns Befürchtung eintrifft und die Teuerung tatsächlich rund 5 Prozent erreicht, liegt die Realverzinsung der Bundesanleihen dann sogar bei rund minus 5,5 Prozent. Falls die Renditen bis dahin nicht steigen, was aber nach den Juli-Beschlüssen der EZB höchstens in eng begrenztem Rahmen möglich erscheint. Die kalte Enteignung der Zinssparer setzt sich also in beschleunigtem Tempo zur eiskalten Enteignung fort. Und das wird vermutlich vielen bisher immer noch aktienscheuen Anlegern Dividendenwerte schmackhaft machen – sei es als Direktanlage oder über Aktienfonds und Aktien-ETFs.

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