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Rasanter Anstieg der Energiepreise sorgt für Krisenängste

Die Energiekrise in Großbritannien ist besonders stark ausgeprägt – aber auch der „Rest“ der Welt gerät durch enorme Steigerungen der Energiepreise für Öl, Gas und Kohle immer mehr unter Druck. Vor allem, wenn der Winter früh beginnt und relativ kalt wird. Auf die Verbraucher kommen teure Zeiten zu.

Noch gehören den riesigen Energieproblemen der Briten die Schlagzeilen. Aber je näher der Winter rückt, desto stärker werden auch die anderen Länder in den Blickpunkt geraten. Denn die fossilen Brennstoffe sind derzeit knapp und deshalb extrem teuer geworden: Der Gaspreis ist in den letzten 12 Monaten in Europa um fast 600% gestiegen, der Kohlepreis um gut 250%, und der Ölpreis hat sich nahezu verdoppelt. In Teilen Asiens und Südamerikas ist der Preisanstieg vor allem für Gas, aber auch für Kohle, sogar noch stärker ausgefallen. Flüssiggaslieferungen (LNG) gehen deshalb verstärkt nach China und Brasilien, weil dort die Preise nochmals um rund 20% höher liegen als in Europa. Und weil die Kosten so gestiegen sind, wird Erdgas immer öfters durch Kohle ersetzt, das dadurch ebenfalls knapp und teuer geworden ist. Der Ölpreis profitiert natürlich auch davon, allerdings weniger stark.

Gas-Knappheit in Europa treibt Energiepreise

In Europa sorgt vor allem die Gas-Knappheit für große Probleme und schickt die Energiepreise nach oben. Wie im Blogpost vom 14.9.2021 beschrieben, ist das auf viele Faktoren zu rückzuführen. Auf den langen Winter,  Naturkatastrophen in den USA und Asien bis hin zu geringeren Mengen an Wind- und Solarenergie. Und das bei einer gleichzeitigen kräftigen Erholung der Konjunktur in allen Ländern. Zu allem Übel kamen noch ungeplante Wartungsarbeiten in Norwegen hinzu. Norwegen, Europas zweitgrößter Gaslieferant, hat deshalb im bisherigen Jahresverlauf deutlich weniger Gas exportiert als noch 2019. Überhaupt ist nach Daten von Oxford Energy auffallend, dass die meisten großen Lieferländer ihre Verkäufe im ersten Halbjahr gedrosselt haben. Besonders stark war das Minus in Großbritannien und den Niederlanden. Lediglich Russland und Algerien haben beide deutlich mehr Gas geliefert haben als 2020. Und auch die Flüssiggaslieferungen aus Katar und den USA haben abgenommen.

Deutschland kommt noch relativ gut weg

Die Gasspeicher, die üblicherweise in den Sommermonaten für den Winter aufgefüllt werden, sind deshalb so leer wie seit 5 Jahren nicht mehr. Sie sind nur zu rund zwei Drittel gefüllt, gegenüber sonst in dieser Jahreszeit üblichen gut  90%. Deutschland trifft zwar der Preisschub nicht so stark wie Großbritannien, Spanien oder Frankreich, die Gas überwiegend kurzfristig an den Energiebörsen ordern. Denn bei einem großen Teil der langfristig abgeschlossenen Verträge  – vor allem mit  Russland – richten sich die Preise nicht an den stark schwankenden Börsennotierungen aus, sondern am Ölpreis.

Inflationssorgen werden größer

Die weltweite Energieknappheit und die steigenden Energiepreise bergen durchaus das Potenzial, die Erholung der Weltwirtschaft stark abzubremsen und gleichzeitig die Inflation anzuheizen. Die Bundesbank rechnet jetzt bis weit ins Jahr 2022 hinein mit einer hohen Inflation. Bislang waren die Währungshüter ab kommendem Jahr noch von einer Normalisierung ausgegangen. Das setzt die Notenbanken möglicherweise früher unter Zugzwang als bisher angenommen. Und das könnte bedeuten, dass die extrem lockere Geldpolitik schon bald gestrafft wird. Steigende Renditen an den Anleihemärkten deuten darauf hin, dass die Anleger dieses Risiko allmählich ernst nehmen. Und das könnte dann auch die Aktienmärkte in Mitleidenschaft ziehen.

 

Foto:  Kyle Bushnell auf Unsplash

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