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Value-Unternehmen sind wieder gefragt
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Holen Value-Aktien den Rückstand zu den Tech-Titeln auf?

Die Hausse der Technologieaktien hat die Bewertung der Wachstumswerte in ungeahnte Höhen getrieben. Value-Aktien dagegen, die vorwiegend von Unternehmen der „Old Economy“ stammen, haben den Aufschwung  kaum mitgemacht. Entsprechend niedrig sind dort die Bewertungen geworden. Der Abstand zwischen Growth und Value war selten so riesig. Aber nun könnte ein Favoritenwechsel bevorstehen. Was spricht dafür?

Da sind zunächst einmal die gängigen Bewertungskennziffern. Nehmen wir den MSCI World mit seinen gut 1600 Aktien aus 23 Industrieländern als Maßstab, dann ergab sich bei seinen beiden Komponenten MSCI World Growth und MSCI World Value Ende September folgendes Bild:

  • Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die nächsten 12 Monate beträgt beim MSCI World Growth im Durchschnitt 30,1, beim Value-Pendant ist es mit 14,5 nicht einmal die Hälfte.
  • Die Dividendenrendite liegt beim MSCI World Growth mit 0,91% bei weniger als einem Drittel des MSCI World Value.
  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Wachstumssektors ist mit 6,6 sogar gut viermal so hoch wie das des Value-Segments mit 1,55.

Angesichts dieser Bewertungskennzahlen wird klar, dass der Run in die Technologietitel – insbesondere in den USA – den Growth-Sektor sehr teuer gemacht hat. Um diese Bewertungen auf Dauer zu rechtfertigen, darf nicht viel schief gehen bzw. sollte möglichst alles so optimal verlaufen, wie es sich die Tech-Investoren vorstellen.

Corona-Krise hat alles verändert

Growth-Werte haben zwar aufgrund ihres stärkeren Wachstums traditionell eine höhere Bewertung als Value-Werte. Aber gewaltiger war der Abstand bisher nur in der Technologie-Blase Anfang des Jahrtausends. Die Corona-Krise hat die Differenz zuletzt noch deutlich vergrößert. Growth-Aktien sind nun einmal die Gewinner der Pandemie, weil die politischen Maßnahmen die Digitalisierung und das Internet-Shopping massiv vorangebracht haben. Unternehmen aus der Old Economy wie die Auto- oder Maschinenbausektor litten und leiden dagegen unter Lock-Downs, Unterbrechungen der Lieferketten und der Erschwerung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Entsprechend schnellen die Gewinne der Technologiefirmen 2020 weiter nach oben, die der Value-Unternehmen brechen dagegen ein.

Allerdings scheint sich hier ein Wandel anzubahnen. Abzulesen ist das unter anderem an den Einkaufsmanager-Indizes weltweit, die als beste Konjunktur-Frühindikatoren gelten. Sie werden unterteilt in Indizes für die Industrie und für Dienstleistungen. Im Industriebereich sind vor allem Old-Economy-Unternehmen vertreten, Dienstleistungen werden stark von High-Tech geprägt. In den letzten Monaten sind die Indizes für die Industrie von extrem tiefen Niveaus aus weiter deutlich gestiegen, während der Service-Sektor zuletzt eher stagniert hat und im September sogar rückläufig war. Das gilt vor allem für Europa, aber auch für die USA und deutet darauf hin, dass sich die Industrie erholt während der Tech-Bereich an Wachstumsgrenzen stößt. Das zeigt sich auch in den Branchenberichten der letzten Zeit. So sind in Deutschland die Autozulassungen im September erstmals in diesem Jahr über Vorjahr geklettert, der besonders gebeutelte Maschinenbau sprach nach den August-Zahlen von einer Entspannung und die Chemie sieht die Talsohle durchschritten.

Value-Aktien profitieren von einer besseren Konjunktur

Für die Börsen bedeutet das, dass die Gewinnerwartungen der konjunkturabhängigen Value-Aktien für 2021 nach und nach angehoben werden. Inzwischen wird sogar im Schnitt ein Gewinnsprung für den Sektor vorhergesagt, der die Einbußen dieses Jahres weitgehend wettmachen soll. Und auf positive Ertragsüberraschungen reagieren die Anleger inzwischen auch bei Value-Titeln wieder mit kräftigen Kurszuwächsen. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Investoren die hohe Bewertung der meisten Growth-Aktien nicht ganz geheuer ist und sie händeringend nach neuen potenziellen High-Flyern Ausschau halten. Und wenn die Konjunkturerholung, wie von den meisten Wirtschaftsforschern erwartet, trotz Pandemie stärker ausfallen sollte als bislang erwartet, würde das den überwiegend konjunkturabhängigen Value-Aktien auf die Sprünge helfen.

Anleger sollten deshalb die zyklischen Aktien im Auge behalten – oder sich ganz einfach mit einem der vielen ETF positionieren, die Value-Indizes nachbilden.

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