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DAX bald mit 40 statt 30 Aktien?

Wird der DAX im nächsten Jahr 40 statt 30 Aktien umfassen? Durchaus möglich. Denn die Deutsche Börse arbeitet an einem völlig neuen Regelwerk für ihren Leitindex. Den Anstoß dazu gaben der Skandal um Wirecard und die Kritik am Nachfolger des Pleiteunternehmens im Leitindex, Delivery Hero.

DAX schon bald mit neuem Regelwerk?

Viele Experten haben mit dem Kopf geschüttelt, als Delivery Hero Ende August Wirecard im DAX ersetzt hat. Dem Ruf des DAX deutschen Leitindex hatte es bereits extrem geschadet, dass Wirecard noch lange nach dem Aufdecken des Bilanzskandals im Leitindex bleiben durfte. Und dass ausgerechnet Delivery Hero dafür in den DAX eingerückt ist, finden viele unverzeihlich. Das scheint auch die Deutsche Börse so zu sehen. Sie will bis zum Jahresende dem DAX ein neues Regelwerk verpassen – und ihn eventuell sogar auf 40 Aktien aufstocken.

Offiziell heißt es zwar nur, dass „das DAX-Regelwerk derzeit einer vertieften Prüfung unterzogen“ wird und die Ergebnisse bis Jahresende bekanntgegeben werden sollen. Erste Überlegungen des zuständigen Gremiums sind aber bereits durchgesickert. Demnach soll bei einer Insolvenz ein sofortiger Ausschluss der Aktie möglich werden. Bisher war das nur an festen Anpassungsterminen vorgesehen. Und um in den Leitindex aufgenommen zu werden, könnten zusätzlich zu den beiden jetzigen Kriterien Börsenwert und Handelsumsätze neue, qualitative hinzukommen. Damit soll sichergestellt werden, dass künftig Unternehmen wie Delivery Hero nicht mehr so leicht in den DAX aufrücken können.

Vier Gewinn-Quartale als Eintrittskarte?

Die Kritik an der DAX-Aufnahme des Online-Bestelldienstes für Essen – unter anderem mit der Marke Lieferheld – entzündet sich vor allem daran, dass Delivery Hero noch nie Gewinn gemacht und im ersten Halbjahr 2020 stolze 443 Millionen Euro Verlust ausgewiesen hat. Überlegt wird ein Weg, der sich an der Wall Street beim S&P 500 bewährt hat. Dort kann eine Aktie nur neu in den Index aufgenommen werden, wenn sie vier Quartale in Folge Gewinne erzielt hat. Hätte es eine ähnliche Regel beim DAX gegeben, müsste Delivery Hero noch lange auf eine Mitgliedschaft warten.

Mehr Unternehmen im DAX für bessere Branchenverteilung

Da die Deutsche Börse schon mal dabei ist, das Regelwerk für seinen Leitindex zu ändern, will sie nicht nur das Aufnahme-Problem angehen, sondern auch viel weiterführende Pläne vorantreiben. Dazu zählt eine Aufstockung des DAX von 30 auf 40 Aktien. Da dies eine Idee ist, die Börsenchef Theodor Weimer schon des Öfteren in den Raum gestellt hat, dürften die Chancen dafür gar nicht so schlecht stehen. Ein breiter aufgestellter Dax-40 hätte im Zusammenspiel mit qualitativen Aufnahmekriterien tatsächlich viel Charme:

– Die Dominanz weniger Aktien – vor allem SAP, Linde und Siemens – für die Indexentwicklung wäre nicht mehr so ausgeprägt wie jetzt;

– Die Branchenverteilung würde ebenfalls breiter und damit die starke Abhängigkeit von Auto- und Finanzaktien verringert;

– Die Branchenverteilung könnte die Struktur der deutschen Wirtschaft besser widerspiegeln;

– Es wäre leichter möglich, schnell wachsende, profitable Technologieunternehmen in den DAX zu hieven und den Leitindex dadurch attraktiver zu machen. Bisher sind dort neben Delivery Hero nur SAP, Telekom und Infineon vertreten

Mein Fazit: Die Deutsche Börse und ihre Beratungs- und Entscheidungsgremien sollten die Chancen, die sich ihnen mit der quasi erzwungenen Reform des Regelwerks bieten, entschlossen nutzen, indem sie den DAX an die veränderten Börsenzeiten anpassen und ihn zukunftssicher und international konkurrenzfähig gestalten.

Foto: Deutsche Börse Group/Montage: tk

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