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Euro vor EZB Gebäude bei Nacht
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Die EZB dreht den Geldhahn nochmals kräftig auf

Wenn die Spitzenbanker der EZB am Donnerstag zu ihrer letzten Sitzung des Jahres zusammenkommen, stehen sie unter vielfachem Druck. Ob sie wollen oder nicht – sie müssen nochmals viel Geld in den Kreislauf pumpen.

Die jüngste Schwäche des Dollar bringt der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Problem mehr. Die US-Leitwährung hat im Monatsvergleich um zeitweise fast 5 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet. Die EZB betreibt zwar offiziell keine Währungspolitik, aber inoffiziell passt ihr die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar gar nicht ins Konzept. Denn diese Entwicklung bremst die Konjunktur im Euroraum und sie drückt durch billigere Einfuhren auf die Preisentwicklung. Diese hat sich ohnehin schon mit minus 0,3 Prozent meilenweit von der Zielgröße von rund plus 2 Prozent entfernt. Das ist ein weiterer Grund, um ein ganz dickes Maßnahmenpaket zu schnüren.

EZB bringt Konjunkturstütze in der zweiten Welle

Die anderen Gründe sind klar: Die wirtschaftlichen Folgen der zweiten Pandemiewelle sollen gemildert und die fragile Konjunktur stabilisiert werden. Dabei soll das Finanzsystem so reichlich mit Geld geflutet werden, dass erst gar keine Gedanken an eine Finanzkrise wie zu Zeiten der Euro-Schuldenkrise aufkommen. Nicht zuletzt sollen die Renditen von Staatsanleihen extrem niedrig gehalten werden. So können die Regierungen, insbesondere im Süden Europas, leichter ihre gewaltigen Pandemie-Hilfsprogramme finanzieren. Bei einer Rendite von -0,6 Prozent für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist das natürlich einfacher als bei „normalen“ Anleihezinsen von mehreren Prozent.

Von den zwei großen Stellschrauben, die der EZB zur Verfügung stehen, wird sie am Donnerstag aber vermutlich nur an einer kräftig drehen. Denn die Leitzins-Schraube hat kaum Spielraum, schließlich liegt der wichtigste Notenbanksatz bereits bei minus 0,5 Prozent. Deshalb läuft vermutlich fast alles über den Geldumlauf ab.

Nullzinsen bis 2030?

Erwartet wird, dass das Pandemie-Notprogramm mit dem schönen Namen PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) von derzeit 1,35 Billionen Euro um weitere 600 Milliarden auf dann 1,95 Billionen aufgestockt wird. Die Laufzeit soll von bisher Mitte 2021 auf Ende 2021 oder sogar weit ins Jahr 2022 verlängert werden. Und das „normale“ Anleihekaufprogramm APP wird wohl von Ende 2020 bis Ende 2021 ausgedehnt, wobei der Betrag von monatlich 20 Milliarden Euro bleiben dürfte. Das bedeutet, dass der Anteil an allen Staatsanleihen, die die  EZB aufgekauft hat, gewaltige Dimensionen erreichen wird. Dabei sind die Notenbanken ohnehin schon die mit Abstand größten Besitzer von Bundesanleihen & Co.. Sie halten dadurch die Kapitalmarktrenditen künstlich extrem niedrig. Manche Experten rechnen inzwischen damit, dass die Zinsen erst gegen Ende dieses Jahrzehnts signifikant klettern werden. Also Nullzinsen bis 2030?

Für die Börsen dürften die Entscheidungen der EZB zwar keine große Überraschung darstellen. Es sei denn, die Notenbank geht weit über die Erwartungen hinaus. Aber langfristig stützt die gewaltige weltweite Geldflut die hohen Erwartungen der Anleger an das Börsenjahr 2021 massiv. Und sie dürfte in der kommenden Woche durch die US-Zentralbank Fed noch zusätzlich vergrößert werden. So lange die Notenbanken Liquidität ohne Ende schaffen und die Leitzinsen nahe null belassen, sind Zinsanlagen keine echte Alternative für die Anleger.

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