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Zinsgewinnler Deutschland profitiert auf allen Ebenen

Vater Staat hat 2011 so wenig Zinsen bezahlt wie seit 1993 nicht mehr. Obwohl der Schuldenberg seither mehr als doppelt so hoch geworden ist. Aber nicht nur Bund, Länder und Kommunen profitieren massiv von den Tiefstzinsen und der Flucht der Anleger nach Deutschland. Auch die Zinslast der deutschen Unternehmen und der Privathaushalte hat sich rapide ermäßigt.

Nach Berechnungen der Bundesbank mussten deutsche Firmen 2010 nur noch rund 5 % ihres Betriebschüberschusses für Zinsen aufwenden – so wenig wie noch nie. Zu Beginn des Jahrtausends waren es mit etwa 14 % fast dreimal so viel und 1993 mit 20 % sogar das Vierfache.

Diese gewaltige Kostenentlastung hat zwei Ursachen: Zum einen natürlich die nun schon eine gefühlte Ewigkeit anhaltende Niedrigzinsphase, die zu immer besseren Kreditkonditionen geführt hat, zum anderen aber auch die rückläufige Verschuldung. Der Verschuldungsgrad ist in den letzten zehn Jahren stetig gefallen, da die Unternehmen ihr Eigenkapital enorm aufgestockt haben. Die Eigenmittelquote beträgt jetzt 28 Prozent der Bilanzsumme, zehn Jahre zuvor waren es nur gut 18 Prozent.

Das alles zeigt, wie fit die deutschen Unternehmen geworden sind, und dass die Eurokrise für sie bisher gar nicht so schlecht war – nicht nur, weil der Mager-Euro die Exportchancen vergrößert. Hohes Eigenkapital plus niedrige Zinsbelastung verbessern zusätzlich die Konkurrenzfähigkeit, vor allem gegenüber Unternehmen aus den Problemstaaten der EU, die nicht so ausgeprägt die Früchte der Minizinspolitik der EZB ernten können. Mehr Eigenkapital und niedrige Zinskosten ihrer Kunden helfen aber auch den Banken. Denn das verringert das Risiko von Kreditausfällen schwacher Unternehmen – eine Gefahr, die in anderen EU-Staaten sogar deutlich zugenommen hat. Angesichts ihrer sonstigen Riesenprobleme könnten die deutschen Geldhäuser nicht auch noch eine Flut von Kreditausfällen brauchen. Zumindest in diesem Punkt stehen sie also recht stabil da.

Und noch etwas kommt hinzu: Die andere große Kundengruppe der Banken, die privaten Haushalte, hat ihre Zinsbelastung gemessen am verfügbaren Einkommen in den vergangenen zehn Jahren von knapp sechs auf gut drei Prozent nahezu halbiert. Sie kann damit ebenfalls ihren Kreditrückzahlungen besser nachkommen als in den Jahrzehnten zuvor. Der Privatsektor insgesamt in Deutschland hat also genau das Gegenteil dessen erreicht, was die Problemstaaten der Eurozone nicht geschafft haben: Die Verschuldung abzubauen und damit von den Tiefstzinsen in vollem Ausmaß zu profitieren.

Dass Deutschlands Kreditnehmer die „Zinsgewinnler“ in Europa sind, hat sicherlich ein Stück zum starken Konjunkturaufschwung mit beigetragen – und wird jetzt wohl verhindern, dass der Abschwung allzu kräftig ausfällt. Und das wiederum ist eine gute Botschaft für deutsche Aktien.

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