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Was hat der Handelskrieg USA-China mit Nord Stream 2 zu tun?

Mit am stärksten betroffen von Chinas Strafzöllen gegen die USA sind Amerikas Flüssiggasproduzenten. Deshalb sucht die Trump-Regierung händeringend nach neuen Absatzmärkten in Europa. Da ist das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 das wichtigste Hindernis für die USA.

Noch vor einem Jahr wähnten sich Amerikas Produzenten von Flüssiggas (LNG) auf Wolke 7. Ihre Lieferungen nach China nahmen immens zu, und im Winterhalbjahr 2017/2018 kaufte China fast ein Viertel der gesamten US-LNG-Exporte.  Aber seit dem Beginn der Strafzölle der USA und der Gegenmaßnahmen Chinas hat sich das Bild dramatisch gewandelt. Im Winterhalbjahr 2018/2019 importierte China nur noch 4% der US-Exporte. Der Grund waren vor allem 10% Zoll, die Peking als Antwort auf US-Strafzölle verhängt hatte. Jetzt, nach der neuen Sanktionsrunde, werden die LNG-Exporte nach China wohl zeitweise völlig austrocknen, weil die Regierung die Zölle auf US-LNG ab 1. Juni auf 25% erhöht.

Mit ihrem Handelskrieg gegen China haben die Amerikaner den mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für ihr Gas auf Jahre hinaus kaputt gemacht. Denn zu den Strafzöllen kommt noch hinzu, dass chinesische Unternehmen geplante Investitionen in die US-Flüssiggasindustrie vermutlich stark zurückfahren oder ganz unterlassen werden. Dafür investieren sie jetzt massiv in die russische Flüssiggasindustrie, die vor allem in den arktischen Regionen ausgebaut wird.

Weil die USA seit dem Fracking-Boom Erdgas im Überfluss fördern, brauchen sie unbedingt Abnehmer, die ihre verflüssigten Gase aufnehmen. In Europa werden auf Druck von Trump mehrere zusätzliche LNG-Terminals für die Gastanker gebaut, hoch subventioniert von der EU und Staaten wie Deutschland. Da aber US-LNG trotz der jüngsten, sanktionsbedingten Preisrückgänge immer noch deutlich teurer als russisches Erdgas ist, versucht die Regierung in Washington mit neuen Sanktions-Drohungen den Bau der russisch-europäischen Gas-Pipeline Nord Stream 2 doch noch zu stoppen.

Seit dem Handelskrieg USA-China und den Zolldrohungen gegen die europäische Autoindustrie werden es sich die westeuropischen Länder aber zweimal überlegen, ob sie dem Druck nachgeben und ihre Energiesicherheit von der egoistischen und wankelmütigen US-Handelspolitik abhängig machen wollen. Für Deutschland und Co. ist es allemal besser, künftig zwei Optionen zu haben: Erdgas aus den Nord Stream-Pipelines und LNG aus den USA und anderen Ländern. Konkurrenz belebt dann das Geschäft und drückt die Preise.

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