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Josef Ackermann ist allüberall

Das gab es in diesem Jahrtausend noch nie: Die Eigenkapitalrendite der 500 Unternehmen des S&P-500-Aktienindex liegt nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg um mehr als 20 Prozentpunkte über den Kreditkosten: Während US-Unternehmen für Firmenbonds nur knapp vier Prozent zahlen müssen, verdienten sie zuletzt so happig, dass ihre Eigenkapitalrendite im Schnitt auf 24 Prozent kletterte. 24 Prozent – das ist gar nicht so weit von jenen 25 Prozent entfernt, die Josef Ackermann für die Deutsche Bank angestrebt hat – und die ihn zum Buhmann der Nation werden ließ.

In Talkshows und Kommentaren zur Schuldenkrise wird Ackermanns 25-Prozent-Ziel immer noch gern voller Abscheu als Beweis für die Raffgier und die unverschämte Abzockerei der Banken zitiert. Vor allem von Politikern, die nicht wissen, was Eigenkapitalrendite ist oder sie mit der Umsatzrendite verwechseln. Und jetzt das: Mit diesen 25 Prozent Rendite wäre die Deutsche Bank, wenn sie die mal wieder nachhaltig erzielen sollte, in den USA stupides Mittelmaß. Nicht nur dort, sondern vermutlich auch wieder in Deutschland. Die staatliche KfW hat nämlich schon 2009 ausgerechnet, dass vor der Finanzkrise, also in den Jahren 2006 und 2007, sowohl die DAX- und MDAX-Unternehmen als auch die mittelständischen Firmen im Durchschnitt mehr als 25 Prozent Eigenkapitalrendite verdient haben, die DAX- und MDAX-Konzerne 2007 beispielsweise 30,1 Prozent. Dieses Niveau dürfte 2011 in etwa wieder erreicht werden. Nur will das keiner hören, geschweige denn seine Meinung revidieren nach der Devise: „Ich lass mir doch durch Fakten mein Vorurteil nicht kaputt machen.“

Das zeigt ein Grundübel der ganzen Diskussionen um die Schuldenkrise auf: Die Entscheider und die Meinungsmacher pflegen wider besseres Wissen populistische Vorurteile wie eine angeblich wahnsinnige, und dabei doch nur in guten Zeiten durchschnittliche 25-Prozent Eigenkapitalrendite der Banken, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Sie bauen damit unnötig Feindbilder auf und schüren Emotionen, statt sich rein sachlich mit den Schuldenproblemen und deren Lösungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Die sind so gewaltig, dass sie sich auf Dauer nur bewältigen lassen, wenn Staaten und Banken zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten.

Ach ja: Die Rekordspanne zwischen Eigenkapitalrendite und Fremdkapitalzinsen der US-Unternehmen hat natürlich Einflüsse auf die Börsen, auch wenn das angesichts der Schuldenkrisen fast nebensächlich geworden ist: Das letzte Mal, als sie ähnlich hoch war – im Jahr 2003 – standen die Aktienmärkte in der Anfangsphase eines Kursaufschwungs, der den S&P 500 binnen fünf Jahren auf das doppelte Niveau katapultierte. Zu einem Boom ähnlichen Ausmaßes kann es diesmal nur kommen, wenn die Politiker die Schuldenkrise endlich in den Griff bekommen. Mit mehr Sachlichkeit und weniger Emotionen.

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