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Türkische Wirtschaft: Krise mit Ansage

Seit Jahren kämpft die türkische Wirtschaft mit zahlreichen Problemen. Inflation und Arbeitslosigkeit sind hoch. Die Landeswährung Lira stürzt von einem Tief auf das nächste. Die Folgen der Covid-19 Pandemie könnte das Land nun noch endgültig in eine ausgewachsene Krise stürzen.

Ein niedriger Wechselkurs hat seinen Charme: Exportieren ist einfacher, denn mit dem sinkenden Wechselkurs steigt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produkte im Ausland. Allerdings ist der Preis dafür hoch: Alle Importe werden teurer und alle Schulden, die man jemals in Fremdwährungen aufgenommen hat, wachsen mit jeder Abwertung der Landeswährung. Zudem schwindet das Vertrauen ausländischer Kapitalgeber: Frisches Geld ist nur zu extrem hohen Zinsen zu haben.

Die türkische Wirtschaft leidet unter Inflation und Liraschwäche

Genau in dieser Bredouille steckt derzeit die Türkei. Sie ist in hohem Maße auf den Import von Waren und Kapital angewiesen. Doch seit Jahresanfang hat die Lira rund ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren und notiert auf historischen Tiefststand. Wenn sich noch mehr Kapitalgeber aus der Türkei zurückziehen, drohen Kreditausfälle und ernste Schwierigkeiten für die Banken.

Ohne Frage traf die Coronakrise die türkische Wirtschaft besonders hart. Zwar hatte die Regierung nur tageweise – an Wochenenden und über Feiertage – einen Lockdown verhängt. Viele Branchen haben aber dennoch mit harten Einbrüchen zu kämpfen – allen voran die Tourismusbranche. Und die ist eminent wichtig für die türkische Wirtschaft: Knapp 40 Milliarden Euro erwirtschaftetet das Land direkt mit dem Feriengeschäft, rund 12 Prozent des BIP. Der indirekte Beitrag wird auf rund das dreifache geschätzt.

Das Problem ist die Geldpolitik

Analysten hatten daher erwartet, dass das türkische BIP im zweiten Quartal kräftig sinkt. Die aktuelle Zahl von minus 11 Prozent für das zweite Quartal 2020 ist also keine Überraschung und sogar leicht besser ausgefallen als befürchtet. Das eigentliche Problem konnte der Nachfrageeinbruch allerdings nicht lösen: Die Inflation ist nach wie vor hoch und die Lira stürzt weiter ab.

Und das liegt vor allem an einem: Präsident Erdogan. Der ist nämlich entgegen aller Lehrmeinung überzeugt, dass hohe Inflation nur mit niedrigen Zinsen zu bekämpfen sei.

Seit Jahren liegt er deshalb im Clinch mit der Zentralbank. Vergangenen Sommer feuerte er schließlich den Chef der Notenbank und seither gab es verschiedene Zinssenkungen. Gift für die Inflation, die Währungsstabilität und das Vertrauen von ausländischen Investoren. Sollte Erdogan seinen Kurs nicht aufgeben, gibt es kaum einen Ausweg aus der Misere.

Foto: Adli Wahid/unsplash.com

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