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Der Krieg an den Rohstoffmärkten ist eröffnet

Den Kampf gegen die Rohstoffspekulation haben die Regierungen der großen Industrie- und Schwellenländer schon oft angesagt – aber jetzt haben sie am Ölmarkt zum ersten Mal wirksame Waffen eingesetzt. Weitere Angriffe dürften folgen. Wie die Schlacht ausgeht ist offen – aber das Ergebnis wird entscheidend für die weitere Richtung von Konjunktur, Inflation und Aktienmärkten werden.

Als die Internationale Energieagentur (IEA) vorige Woche den Verkauf von 60 Millionen Fass Rohöl aus den strategischen Ölreserven bekanntgab, fiel nicht nur der Preis für das schwarze Gold wie ein Stein; auch die meisten anderen Rohstoffe gaben kräftig nach. Denn die erst dritte Freigabe von staatlichen Ölreserven in der fast 40jährigen Geschichte der IEA kam für Handel und Analysten völlig überraschend. Und überraschend war auch, dass die IEA gleich darauf drohte, im Bedarfsfall weitere Reserven freizugeben. Und Bedarfsfall heißt wohl steigende Ölpreise.

Es ist vermutlich kein Zufall, dass dieses bislang gelungene Manöver am mit Abstand wichtigsten Rohstoffmarkt in eine Phase fiel, in der die Regierungen noch zwei weitere Tiefschläge gegen die Spekulation anbrachten: Die Landwirtschaftsminister der G 20 einigten sich auf Maßnahmen, um die Transparenz bei Agrarrohstoffen zu verbessern, und die verschärften Eigenkapitalvorschriften für die weltgrößten Banken, die zu den Big Playern und großen Finanziers an den Rohstoffmärkten zählen, erschweren künftig das Eingehen von Risiken an den Terminmärkten.

Nimmt man noch die martialischen Worte von Politikern, insbesondere Frankreichs Sarkozy,  gegenüber den Commodity-Märkten hinzu, wird eines klar: Die Staaten wollen sich die wirtschaftlichen Erfolge, die sie mit vereinten Kräften und Billionen an Euro Einsatz nach der Finanzkrise erzielt haben, nicht von explodierenden Rohstoffkosten kaputt machen lassen. Schließlich sind höhere Preise in diesem Segment die größten Inflationstreiber weltweit – und sie schmälern die für andere Konsumausgaben verfügbaren Einkommen der Verbraucher und damit die Konjunkturdynamik. Wenn es den Regierungen also gelingt, den Rohstoffpreisen die Zügel anzulegen und zumindest eine längere Pause im Aufwärtstrend zu erzwingen, haben sie viel gewonnen: Sie brauchen wegen nachlassender Inflationsangst ihre Zinspolitik nicht stark zu straffen und sie können ihre Staatsausgaben zur Konjunkturankurbelung stärker zurückfahren. Klappt das alles wie geplant, dann könnte die Weltkonjunktur früher als erwartet aus Ihrem Zwischentief herausfinden. Und das würde natürlich die Aktienmärkte beflügeln.

Das Problem bei diesem Vorhaben ist nur, dass sich die so genannte Rohstoffspekulation sicherlich nicht kampflos geschlagen geben wird. Zumal sie den Megatrend des langfristig steigenden Rohstoffbedarfs auf ihrer Seite hat. Es wird also spannend – wobei ich annehme, dass die Regierungen zumindest kurzfristig die Oberhand behalten werden. Sie können jetzt nicht mehr locker lassen weil sie wissen, dass dies vermutlich die billigste Lösung ist, um der müder werdenden Konjunktur neue Kräfte zu verleihen.

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