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Apple, Tesla und die neue Mathematik

Gestern haben Tesla und Apple ihre „Gratisaktien“ ausgegeben, wie ein Aktiensplit auch gern bezeichnet wird. Die Anleger haben euphorisch auf die optische Verbilligung der Wertpapiere reagiert – insbesondere der Tesla-Kurs schnellte gewaltig nach oben. Mit der „alten“ Mathematik lässt sich das nicht rechtfertigen. Höchstens mit einer neuen.

Drei für eins

Jeder Apple-Aktionär hat für eine alte Aktie drei neue bekommen, jeder Tesla-Aktionär sogar vier. Entsprechend hätte sich der Aktienkurs bei Apple auf ein Viertel und bei Tesla auf ein Fünftel der Freitags-Niveaus reduzieren müssen. Von diesem Kurslevel aus legte aber Apple gestern um 3,4% zu und war damit der beste Wert im Dow Jones. Und Tesla sprang gar um 12.6% nach oben. nachbörslich legte die Aktie um weitere 3,5% zu. Seit der Bekanntgabe des Aktiensplits vor knapp drei Wochen hat Tesla damit um mehr als 80% zugelegt, Apple in den vier Wochen seit der Ankündigung „nur“ um rund 22%.

Nach der reinen Mathematik ändert sich bekanntlich nichts am Gesamtwert, wenn man einen 10-Euro-Schein in zehn 1-Euromünzen wechselt. Und ähnlich ist es beim Aktiensplit. Der fundamentale Wert des Unternehmens bleibt gleich, auch wenn er auf mehr Aktien verteilt wird. Nun war es schon häufig so, dass Aktien nach einem Split überdurchschnittlich gestiegen sind – aber so stark wie bei Tesla war es selten der Fall. Zumindest nicht bei Unternehmen mit so einem hohen Börsenwert.

Kleinanleger springen bei Apple und Tesla auf

Viele Aktienalysten kratzen sich am Kopf, weil sie die Euphorie nach der Split-Ankündigung nicht verstehen. Sie finden eigentlich nur eine plausible Erklärung: Kleinanleger, denen eine Tesla-Aktie mit 2200 Dollar zu teuer war, sind bei Kursen unter 500 Dollar in Massen eingestiegen. Erleichtert hat ihnen dieser Entschluss, dass bei den Discount-Brokern in den USA ein Preiskrieg tobt und das neue Unternehmen Robinhood überhaupt keine Spesen mehr für Kauf und Verkauf berechnet. Seither ist die Beteiligung der Kleinaktionäre am Aktienhandel in den USA steil nach oben geschossen.

So manchen erinnert das neue Aktienfieber der amerikanischen Kleinanleger an die wilden Zeiten vor dem Internetcrash vor über 20 Jahren. Oder um mit André Kostolany zu sprechen: Die Aktien wechseln von den ruhigen Händen der Großanleger in die zittrigen der Privatinvestoren. Und das macht den Markt „heißer“ und damit anfälliger für Kurskorrekturen.

Apple hat inzwischen einen Börsenwert von über 2,2 Billion Dollar. Zum Vergleich: Der gesamte DAX kostet – umgerechnet – mit knapp 1,5 Billionen Dollar deutlich weniger. Bei Tesla sieht es noch verrückter aus. Das Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von knapp 470 Milliarden Dollar – und das bei einem für 2020 geschätzten Jahresumsatz von rund 26 Milliarden Dollar. Entsprechend beträgt das KGV laut dem US-Wirtschaftssender CNBC derzeit 1282.

Tesla teurer als die 14 größten Autohersteller

Mit seinem Börsenwert ist Tesla, das in diesem Jahr eine halbe Million Fahrzeuge herstellen will, seit gestern teurer als die 14 größten Autounternehmen der Welt. Und es ist mehr als dreimal so teuer wie BMW, Daimler und VW zusammen. Aber das schert den Aktienmarkt anscheinend nicht. Inzwischen gibt es Analysen, die Tesla eine weitere Verdreifachung des Kurses in den nächsten drei bis vier Jahren zutrauen.

Foto: analogicus/pixabay.com

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