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Will die OPEC jetzt doch den Ölpreis hochtreiben?

Der Ölpreis klettert wieder, und das seit Ende August deutlich. Denn die Zeichen mehren sich, dass die OPEC nun doch etwas unternehmen will, um die Talfahrt des wichtigsten Rohstoffs der Welt zu stoppen.

Bisher hat das Ölkartell nichts getan, um den Preis zu stabilisieren. Im Gegenteil, die Mitgliedsländer, allen voran Saudi Arabien, haben ihre Förderung weit über die offizielle Produktionsmenge ausgeweitet. Aber in ihrem jüngsten Bericht hat die OPEC erstmals angedeutet, dass sie höhere Preise will und signalisiert, dass sie darüber mit anderen Ölproduzenten verhandeln will. An den Märkten sind daraufhin die Notierungen deutlich nach oben gesprungen – von gut 42 Dollar je Barrel Nordseeöl Brent auf über 50 Dollar. Spekulationen zufolge strebt die OPEC mittelfristig einen Preis über 70 Dollar an.

Venezuela, eines der OPEC-Mitglieder mit den größten Problemen, hat ein Sondertreffen vorgeschlagen, um über eine Kürzung der Förderung zu verhandeln, aber die Golfstaaten haben bisher wenig davon gehalten. Das scheint sich aber zu ändern, wie die Produktionsdaten für August andeuten, denn da haben die Saudis und ihre Verbündeten erstmals wieder die Förderung leicht gedrosselt. Hinter den Kulissen laufen zudem Gespräche mit den Förderländern außerhalb des Kartells. Russland, der drittgrößte Ölproduzent der Welt,  hat es zwar abgelehnt, der OPEC beizutreten, scheint aber bereit zu sein, die Förderung zu kürzen, wenn die OPEC dies ebenfalls beschließt. Inzwischen hat mit Mexiko ein weiteres wichtiges Ölland zugestimmt, Stabilisierungsmaßnahmen mitzutragen. Und Indonesien, dessen Mitgliedschaft jahrelang geruht hatte, geht nun zurück in das Kartell.

Die OPEC ist nur dann bereit, ihre bisherige Strategie der Gewinnung von Marktanteilen zugunsten einer moderaten Preissetzungsstrategie zu ändern, wenn die wichtigsten Nicht-Mitglieder mitziehen. Sonst wären die Opfer, die sie mit dem Überangebot gebracht hatte, umsonst gewesen. Immerhin hat sie es aber geschafft, dass der Hauptzielpunkt der Aktion, die Schwächung der US-Frackingindustrie, einigermaßen gelungen ist. Die Förderung geht in den USA zwar nur leicht zurück, da aber immer mehr Anlagen stillgelegt und neue Investitionen verschoben werden, ist auf mittlere Sicht ein deutlicher Rückgang absehbar. Ein neues Gleichgewicht am Ölmarkt wird damit wahrscheinlicher. Zumal das Überangebot mit 1,5 bis 2 Millionen Barrel pro Tag nur einen Bruchteil der Gesamtförderung von 95 Millionen Faß ausmacht.

Zumindest die Phase der extrem niedrigen Ölpreise um die 40 Dollar dürfte nach den neuesten Entwicklungen zu Ende gehen. Selbst wenn die OPEC nichts unternimmt, werden die Spekulanten an den Ölmärkten vorsichtiger, weil sie nie sicher sein können, ob es zu einer Aktion des Kartells kommt. Deshalb haben die Hedgefonds in den letzten zwei Wochen ihre Wetten auf einen noch niedrigeren Preis stark reduziert, und an den Terminmärkten wächst die Zahl der Ölpreisoptimisten. Die Zeit zum Wiedereinstieg in Ölaktien könnte damit näher gerückt sein – und auch die Zeit, den Heizöltank aufzufüllen.

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