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Werden Mittelstandsanleihen zum neuen „Neuer Markt“?

Die Privatanleger reissen sich um Mittelstandsanleihen, mit denen sich Traumrenditen erzielen lassen. Manche sprechen gar von einem Hype – und Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Stephan Leithner fühlt sich schon an die Anfangsjahre des Neuen Markts vor der Jahrtausendwende erinnert.

Das klingt natürlich phantastisch, wenn fünf Jahre laufende Anleihen sieben, acht oder gar neun Prozent Rendite abwerfen. Zum Vergleich: Für Bundesanleihen mit dieser Befristung gibt es gerade einmal ein halbes Prozent. Eine mehr als zehnmal so hohe Verzinsung als bei sicheren Anlageformen gibt es natürlich nicht umsonst. Das Risiko ist entsprechend hoch – und das junge Segment der Mittelstandsanleihen hat denn auch bereits die ersten Pleiten zu verzeichnen, mit gewaltigen Verlusten für die Anleger.

Drei der rund 90 Emittenten von Mittelstandsanleihen haben bereits Insolvenz angemeldet. Das ist in so kurzer Zeit eine beachtliche Ausfallquote. Wie gefährlich die Bonds der kleinen Unternehmen sein können, hat sich vorige Woche wieder gezeigt: der Billigstromanbieter Flexstrom wollte eine Mittelstandsanleihe bringen, der Prospekt war bereits fertig. Aber in letzter Minute wurde das Vorhaben abgebrochen, weil publik wurde, dass die Firma hohe Verluste schreibt und einen Schuldenberg vor sich herschiebt. Eine Anleihe schien für das Management wohl die letzte Chance zu sein, an frisches Geld zu kommen.

Trotz dieser Probleme zeichnen die Anleger neue Mittelstandsanleihen in Hülle und Fülle. Die Nachfrage ist meistens so stark, dass die Zuteilung rationiert werden muss – zum Teil auf weniger als zehn Prozent – oder dass es zur Verlosung kommt. Da die Emissionen sehr klein sind und in der Regel nur zwischen fünf und 50 Millionen Euro betragen, ist der Markt natürlich eng. Das treibt die Kurse nach der Emission häufig steil nach oben, aber bei Schwierigkeiten genauso schnell wieder nach unten.

So wie am Neuen Markt nicht alle Emissionen Schrott waren, sind sie es auch bei Mittelstandsanleihen nicht. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist aber nicht so leicht, weil es sich meistens um kleine, relativ junge Firmen handelt, die häufig von einem Produkt oder von wenigen Kunden abhängen. Deshalb ist extreme Vorsicht und viel Recherche vor dem Kauf geboten. Und auch die Börsen und die Emissionsbanken sollten sich an den Neuen Markt erinnern und Auswüchse von vornherein beschneiden. Das Segment der Mittelstandsanleihen ist zu wichtig, um es windigen Emittenten und Zockern zu überlassen.

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EmittentenGeldanlage
4 Kommentare
  1. Wo soll auch das ganze Geld der Anleger hin? Den Banken wird nicht mehr vertraut, die Zinsen für Staatsanleihen liegen am Boden. Gut, dass der Mittelstand die Unternehmensanleihe entdeckt hat – allerdings warnen sie zurecht mit den unangenehmen Folgen der Insolvenz des Emittenten!

  2. Ich darf mit Ihrem letzten Satz beginnen: "Das Segment der Mittelstandsanleihen ist zu wichtig, um es windigen Emittenten und Zockern zu überlassen" – dies ist sehr richtig, denn Mittelstandsanleihen sind ein Mittel um sich von den Hausbanken unabhängiger zu machen und ermöglichen es Mittelständlern in größerem Umfang an dringend benötige Mittel zu kommen. Insofern trägt dieser neu entstehende Markt dazu bei die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Unternehmen zu verbessern. Wie üblich gibt es "schwarze Schafe". Geldanlage ohne gründliche Recherche ist jedoch immer gefährlich – das ist keine Eigenheit einer bestimmten Assetklasse. Mehr dazu auf mittelstandsbonds.org

  3. Mittelständische Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von weniger als 30 Millionen Euro haben derzeit gleich zwei Probleme: Zum einen stehen ihnen nicht alle Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung zur Verfügung und zum anderen sind sie häufig Nischenanbieter mit einem limitierten Kundenkreis, was sie besonders anfällig für konjunkturelle Schwankungen macht – ein Malus, der bei Verhandlungen mit Banken zum Problem werden kann. Quelle: marktundmittelstand.de/nachrichten/finanzierung/mittelstand-sucht-alternativen-zum-kredit/

  4. Die Mittelstandsanleihe bietet sowohl dem Anleger hohe Rendite als auch dem Mittelständler schnell neues Kapital. Hier profitieren als beide Seiten. Doch das Risiko liegt mehr auf der Seite des Anlegers. Inzwischen haben wir schon 15 Emittenten, die Insolvenz angemeldet haben. Interessante Artikel wie diesen finde ich oft bei Finance Magazin. Für diejenigen, die das Thema auch mit Interesse verfolgen hinterlasse ich hier mal ein Link: finance-magazin.de/themen/mittelstandsanleihen/
    Klar ist, dass es eine hohe Rendite nur nur im Verbund mit einem hohen Risiko gibt. Ich denke nur, dass viele Anleger dies zwar wissen, jedoch das Risiko der Insolvenz zu gering einschätzen. Oder hier einfach viel Hoffnung im Spiel ist.
    Gruß

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