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V, L oder U - das sind Modelle für die DAX-Erholung
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V, U oder L? Wie läuft die Erholung der Wirtschaft?

Seit vier Wochen setzen die Aktienmärkte ganz offensichtlich auf eine rasche Erholung der Wirtschaft nach dem Corona-bedingten weltweiten Bremsmanöver. Nur so ist es zu erklären, dass der Dax seit seinem Tiefpunkt Mitte März inzwischen rund 30 Prozent zugelegt hat. Doch so richtig wohl ist vor allem professionellen Anlegern nicht dabei. Denn es ist schwer zu argumentieren, die Wirtschaft werde bald wieder ihr altes Leistungsniveau erreichen.

Das Alphabet zur Erholung der Wirtschaft

Konjunkturelle Einbrüche gab es schon viele, selbst solche, die von Virenerkrankungen wie SARS oder MERS hervorgerufen waren. Die Verluste an der Börse waren aber meist schnell wieder aufgeholt, weil der Rückgang der Geschäfte bald kompensiert war. Nachholeffekte sorgten für ein besseres Geschäft nach der Krise und eine schnelle Erholung bei Einkommen, Unternehmensgewinnen und Börsenkursen. Die Aktienindizes fielen erst stark, stiegen aber dann auch rasch wieder an – eine klassische V-Formation.

Und zumindest derzeit sieht es am Aktienmarkt so aus, als könnte es auch diesmal so laufen. Nach dem harten Absturz des Dax um fast 5000 Punkte auf rund 8500 Punkte begannen die Kurse wieder zu klettern und haben sich nun schon eine Weile über 10.000 Punkten etabliert. Sieht aus, wie eine klassische V-Formation.

Oder der Beginn einer langen, sehr volatile Seitwärtsbewegung? Eine L-Formation also? Dafür spricht einiges. Zum einen die Tiefe und Dauer der Krise: Covid19 ist nicht besiegt und die Einschränkungen können nicht oder zumindest nicht vollständig aufgehoben werden. Das heißt, einige Branchen – die Gastronomie oder Reiseveranstalter zum Beispiel oder auch die großen Flugzeugbauer – haben es nun längere Zeit mit Nachfrageeinbrüchen zu tun.

Die Gretchenfrage lautet: Konjunktur oder Struktur?

Zum anderen verändert die Krise mehr als Nachfrage oder Gewinnsituation für betroffene Unternehmen. Je länger sie dauert, desto mehr werden Strukturen zerstört. Unternehmen gehen pleite,  Arbeitnehmer verlieren ihren Job. Viele werden Angst davor haben und verschobenen Konsum oder Investitionen eben so schnell nicht nachholen. Die Effekte auf das Wachstum sind also anhaltend und hemmt länger die Erholung der Wirtschaft. Und solange die Wirtschaft nicht wächst, können auch die Börsenkurse nicht nachhaltig steigen, auch wenn das viele billige Geld der Zentralbanken sicher hilft, dass sie vorerst nicht weiter abstürzen.

Anleger sollte sich dennoch auf einen eher zähen Verlauf einstellen. Und sich mit einer Tatsache trösten: irgendwann wird aus jedem L ein U, weil es wieder aufwärts geht. Und das U hat sich in der Vergangenheit als stabilere Erholung bewiesen als das V.

Foto: Tim Russmann/unsplash.com; Collage: tk

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