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Schäuble attackiert US-Geldpolitik zu Recht

Es gibt viele Arten im internationalen diplomatischen Sprachgebrauch um sein Missfallen über Aktionen anderer Staaten auszudrücken. „Sich irritiert zeigen“ zum Beispiel steht ganz oben auf der Hitliste der beliebtesten Ausdrücke. Oder „Zweifel anmelden“. Das Wort „trostlos“ ist dagegen sehr ungewöhnlich – und ganz starker Tobak. Doch genau das verwendete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Zusammenhang mit der Maßnahme der US-Notenbank, für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen aufzukaufen.

Keine Frage, nach seiner gesundheitlich bedingten Pause meldet sich der deutsche Finanzminister mit Vehemenz auf der internationalen Bühne zurück. „Ich glaube nicht, das die USA damit ihre Problem lösen“, betonte Schäuble. „Sie haben schon unendlich viel Geld in die Wirtschaft gepumpt.“ Und dann der starke Spruch „Die Ergebnisse sind trostlos“.

Schäuble steht mit seiner Meinung wahrlich nicht alleine da. Das „Quantitativ Easing der US-Notenbank Fed, so glauben auch viele Experten, schafft mehr Probleme als es löst. Ziel ist es, die lahmende US-Wirtschaft weiter mit billigem Geld zu versorgen und so ganz nebenbei auch den Dollar zu schwächen. Denn günstige Kreditkonditionen und eine schwache Währung schaffen nach dem Lehrbuch Wachstum. Doch in den USA könnte das schiefgehen. Viele Ökonomen weisen darauf hin, dass Waren aus den USA auch bei einem schwächeren Dollar auf dem Weltmarkt wenig konkurrenzfähig sind. Zu deutsch: Das Zeug wollen die Leute auch dann nicht, wenn es weniger kostet.

So könnte die Maßnahme zu nichts weiter führen als zu noch mehr öffentlichen und privaten Schulden in den USA – und mehr Inflation. Denn eines steht fest: Die Importe aus den meisten Ländern werden teurer. Zumindest aus den Länder, deren Währung nicht an den US-Dollar gekoppelt sind. Ausgerechnet China könnte somit davon profitieren. Weil der Yuan immer noch am Dollar hängt, könnten Hersteller aus dem Reich der Mitte ihre Waren gegenüber anderen Produzenten zum Beispiel aus Südamerika in den USA dann billiger anbieten. Ein ganz und gar unerwünschter Nebeneffekt.

Spannend wird der Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer G20, der Mitte dieser Woche stattfindet. Schäuble zumindest will dort seine Bedenken an der US-Wirtschaftspolitik noch einmal ansprechen. Fraglich, ob er dort der Lauteste sein wird, denn derzeit streiten sowieso alle mit allen: Die USA und China schon lange wegen der Währungsrelationen. China nun zusätzlich mit so gut wie allen europäischen Staaten, weil es die Vergabe des Friedennobelpreises an einen seiner bekanntesten Dissidenten übel nimmt. China hat verschiedene Staaten aufgefordert, die Preisverleihung zu boykottieren und andernfalls mit ernsten Konsequenzen gedroht. Und das sich die Europäer untereinander genausowenig einig sind wie die Emerging Markets ist ohnehin offensichtlich.

Das ist sicher ganz und gar nicht das Klima, in dem große Schritte für die Lösung drängender Probleme zu erwarten sind: Finanzmarktregulierungen zum Beispiel oder die Stabilität der Weltwirtschaft. Wahrscheinlich sollte wir unsere Ansprüche diesesmal sehr klein halten: Und einfach nur dankbar sein, wenn sich die Teilnehmer nicht prügeln.

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