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Promi-Steuerfälle: Zeit sich an der eigenen Nase zu fassen

Erst Fußballmanager Uli Hoeneß, dann der ehemalige ZEIT-Herausgeber Theo
Sommer und jetzt Frauenrechtlerin Alice Schwarzer: Die Liste der
prominenten Steuersünder wird immer länger. Und hat eine Diskussion über
den Schutz der Privatsphäre in Deutschland losgetreten.


Keine Frage: Irgendjemand in einer Behörde hat jeweils seine
Dienstpflicht empfindlich verletzt. Dass Fälle von prominenten
Steuersündern in die Presse geraten sind, ist eigentlich nicht richtig.
Im Fall Hoeneß will die Staatsanwaltschaft den Maulwurf deshalb mittels
Durchsuchungen von Behörden finden.

So weit, so richtig. Denn in Deutschland gilt das eigene Einkommen und
dessen Versteuerung immer noch als eine der wichtigsten ganz privaten
Angelegenheiten. Oder würden Sie Ihre finanziellen Verhältnisse gerne
offen legen? Und jeder – auch Prominente – sollte davor geschützt
werden, dass eine Behörde die Angaben an die Öffentlichkeit
weiterreicht.

In Sachen Promi-Enthüllungen wohnen dennoch zwei Seelen in meiner Brust.
Einerseits möchte auch ich sicher sein, dass meine Steuererklärung nur
von Finanzbeamten und meiner Steuerberaterin gelesen werden.
Andererseits markieren die Enthüllungen einen gesellschaftlichen Wandel
in Deutschland, den ich überfällig finde.

Denn es geht darum, dass Steuervergehen endlich als das gesehen werden
was sie sind. Als Betrug an der Gemeinschaft. Und dabei müssen wir uns
vermutlich alle selber an der Nase fassen. Denn irgendetwas dürften wohl
die allermeisten von uns lieber verbergen
wollen. Vielleicht haben Sie auch schon einmal eine Putzfrau ohne
Anmeldung beschäftigt, einen Handwerker bar bezahlt oder eine Reise von
der Steuer abgesetzt, die eigentlich doch eher privat veranlasst war?
Viele der Kollegen, die jetzt über die prominenten Steuersünder
moralisieren, dürften selber vielleicht das eine oder andere mal so
hingebogen haben.

Doch die Empörung birgt einen Riesenchance: dass nämlich jemand beim
Kritisieren der Promis einen Schritt weiterdenkt und sein eigenes
Verhalten überprüft. Dann ist es vielleicht immer noch nicht richtig,
Akten aus Finanzämter zu schmuggeln. Aber zumindest bringt es uns alle
weiter.

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