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Freitagsfrage: Warum heißt der MDAX-Highflyer Gildemeister jetzt DMG Mori Seiki?

Wer in den letzten Tagen in den MDAX-Kurslisten auf der Suche nach der Gildemeister-Aktie war, hat sich vermutlich gewundert. Denn er hat sie nicht gefunden. Der altehrwürdige Werkzeugmaschinenkonzern, dessen Aktie seit Wochen zu den Stars am deutschen Aktienmarkt zählt, trägt nämlich seit dem 1. Oktober den eher japanisch klingenden Namen DMG Mori Seiki. Warum das?

Auf den Tag genau 143 Jahre nach der Gründung hat Gildemeister seinen alten Namen abgelegt und den kompliziert klingenden neuen angenommen. Das DMG steht dabei für Deckel, Maho, Gildemeister, das Mori Seiki für einen japanischen Werkzeugmaschinenhersteller, der ebenfalls seinen Firmennamen in DMG Mori Seiki geändert hat.

Zunächst zu DMG. Börsianer, die bereits in den 1990er Jahren aktiv waren, können sich vielleicht noch an die Aktie von Deckel-Maho erinnern. Deckel und Maho und später die fusionierte Deckel-Maho waren wegen ihrer Technologie hoch angesehene Werkzeugmaschinenfirmen, die aber dennoch 1993 insolvent gingen. Konkurrent Gildemeister übernahm Deckel-Maho und verkaufte die Produkte später unter dem gemeinsamen Namen DMG. Die Aktie erlebte anschließend so manche Berg-und Talfahrt, und das Unternehmen war stets von einer Knappheit an Eigenkapital gekennzeichnet.

Das begann sich ab 2009 gründlich zu ändern. Mitten in der Finanzkrise stieg der japanische Konkurrent Mori Seiki bei Gildemeister ein, und beide Unternehmen starteten eine immer enger werdende Kooperation. Auf den Weltmärkten vertrieben sie ihre Produkte bald unter dem gemeinsamen Markennamen DMG Mori Seiki. Und da dies alles so gut geklappt hat, änderten beide jetzt ihre Firmennamen in den Begriff, den die Kunden inzwischen von den Produkten her kennen.

Die Japaner halten seit neuestem gut 24 Prozent an der deutschen DMG Mori Seiki, die Deutschen knapp zehn Prozent an der japanischen. Die Unternehmenschefs versprechen sich durch die noch engere Kooperation eine deutliche Ausweitung ihrer Gewinnmargen, in Interviews sprachen sie von einer Verdoppelung in den nächsten Jahren – von fünf auf zehn Prozent.

Die Aktie der deutschen DMG Mori Seiki hat seit dem Einstieg der Japaner einen fulminanten Höhenflug hingelegt, auch weil der Zeitpunkt mit dem Ende der Börsenbaisse zusammenfiel. Seit März 2009 hat sich der Kurs mehr als verfünffacht. Nochmals richtig ins Laufen gekommen ist DMG Mori Seiki nach der Kapitalerhöhung im September. Anders als sonst üblich war von einem Verwässerungseffekt nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Aktie gewann binnen eines Monats knapp 20 Prozent und damit so viel wie kein anderer MDAX-Wert.

Gemessen an den Kennzahlen ist DMG Mori Seiki kein Schnäppchen mehr. Das KGV liegt bei gut 14. die Dividendenrendite bei etwa zwei Prozent. Dennoch hat die Aktie mittelfristig weiterhin Chancen, zum einen, weil die Anleger die deutliche Margenverbesserung für realistisch halten und zum anderen, weil Ex-Gildemeister inzwischen so gut mit Kapital ausgestattet ist, dass es gemeinsam mit den Japanern eine forcierte Expansionsstrategie fahren kann. Und nicht zuletzt sind Aktien von Werkzeugmaschinenherstellern besonders zyklisch, bei einem Konjunkturaufschwung in Europa und weltweit im nächsten Jahr dürften sie damit zu den Favoriten gehören.

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