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Aus den Emerging Markets droht die nächste Krise

Am schlimmsten hat es Argentinien erwischt: Knapp 15 Prozent ist der Peso innerhalb von nur einer Woche gegenüber dem Euro gefallen. Doch auch andere Emerging Markets sind betroffen: Rund acht Prozent brach die türkische Lira ein, der südafrikanische Rand um drei Prozent. Stürzen die Emerging Markets jetzt ab? Und droht damit die nächste Weltwirtschaftskrise?

Keine Frage: Gut sieht es nicht aus für die aufstrebenden Länder. Schon im Sommer vergangenen Jahres gab es einen großen Exodus, der Aktien- und Devisenkurse rutschen ließ. Doch die Anleger kamen zögerlich zurück, die Lage stabilisierte sich. Jetzt allerdings ist eine neue Dynamik zu beobachten. Denn die Emerging Markets sind gleich aus mehreren Gründen nicht mehr attraktiv für Anleger:

Erstens wachsen die  Volkswirtschaften nicht mehr so reibungslos wie in der Vergangenheit. Bestes Beispiel ist China. Dort versucht die Regierung die Wirtschaftsstruktur von der Exportlastigkeit auf mehr Konsum umzustellen und gleichzeitig Kreditblasen zu beseitigen. Ein Balanceakt, der mit einigen Verwerfungen, vielleicht sogar mit Krisen, verbunden sein wird. Auch andere Emerging Markets haben Strukturprobleme. Allen voran diejenigen, die ein Leistungsbilanzdefizit aufweisen, also auf hohe Kapitalzuflüsse angewiesen sind, wie Indien, Indonesien, Brasilien, Südafrika und die Türkei. 

Zweitens macht auch die politische Entwicklung vielerorts Sorgen. In Thailand tobt ein Dauerkonflikt, in der arabischen Welt und sogar in der eigentlich liberalen Türkei kämpfen weltliche und islamische Gruppen um die Macht, in Syrien ist der grausame Bürgerkrieg nicht zu stoppen.

Und drittens sind Anlagen in den Emerging Markets weniger attraktiv geworden, seit die amerikanische Notenbank Fed beschlossen hat, ihren Geldhahn langsam zuzudrehen. Die Fed hat angekündigt, bis zum Herbst ihr milliardenschweres Programm zu beenden, mit dem sie Anleihen und andere Papiere gekauft hat. Wenn die Kurse dann nicht mehr künstlich hoch gehalten werden, steigen die Zinsen. Und dann müssen Anleger auch kein Geld mehr in die Emerging Markets stecken, um wenigstens einen Inflationsausgleich zu erwirtschaften.

Alles gewichtige Gründe, die eine schnelle Erholung der Kurse in den Emerging Markets unwahrscheinlich machen. Im Gegenteil: Es droht eine Abwärtsspirale. Das würde dann aber auch die Industrieländer treffen – allen voran Deutschland, das nach wie vor von seinen Exporten lebt.

Genau das ist aber der kleine Hoffnungsschimmer. Denn alle, vor allem auch alle Industrieländer werden sich gegen die Krise stemmen. Mit Devisenkäufen der Notenbanken, Programmen von IWF und Weltbank und politischer Einflussnahme. Für Investoren ist jetzt dennoch Vorsicht angesagt. Und wenn sich die Lage etwas beruhigt hat, werden wir alle uns daran gewöhnen müssen, dass die Emerging Markets nicht mehr als Paket zu betrachten sind. Sondern Land für Land, vielleicht sogar Aktie für Aktie.


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