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Anlageberatung – Wer berät am schlechtesten?

Schlecht, schlechter, am schlechtesten – die Ergebnisse von Finanztest, Verbraucherzentralen und Anlegermagazinen wie Börse Online zeigen schon seit Jahr und Tag, dass es um die Anlageberatung in Deutschland ziemlich schlecht bestellt ist. Zuletzt erst hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor ein paar Tagen eine Untersuchung von 121 Beratungen in ihrem Zuständigkeitsgebiet vorgelegt. Das – fast schon vorhersehbare – Ergebnis: In den meisten Fällen entsprachen die empfohlenen oder tatsächlich verkauften Produkte der Finanzdienstleister nicht dem Bedarf des Kunden.

Dass solche Studien den Verbänden der Finanzdienstleistungsunternehmen nicht gefallen, liegt auf der Hand. Gut nachvollziehbar, dass der AfW-Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. zum Gegenschlag ansetzt, selbst Testberatungen bei den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Berlin vornimmt – mit dem ebenfalls wenig überraschenden Ergebnis, dass es auch dort Beratungsmängel gibt.

Aus dem ganzen Hickhack wird mir als Verbraucher eines klar: Schlechte Anlageberatung kann es leider überall geben – so wie es leider auch gute und weniger gute Ärzte oder Automechaniker usw. gibt und immer geben wird. Auch dort merkt man oft erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist, dass etwas schief gelaufen ist. Klar ist aber auch: Man kann bei provisionsorientierten Finanzdienstleistern eine gute Beratung bekommen und bei Verbraucherzentralen eine schlechte – der umgekehrte Fall ist allerdings wegen der finanziellen Anreizstrukturen für die Finanzdienstleister erheblich wahrscheinlicher und ja auch bereits seit Jahren gut dokumentiert.

Fakt ist aber, dass die oft miese Anlageberatung in Deutschland ein gesamtgesellschaftliches Problem ist – mit Auswirkungen auf die finanziellen Möglichkeiten vieler einzelner Bürger und damit letzten Endes auch auf die staatlichen Finanzen. Denn der Staat springt schließlich am Ende ein, wenn ein Bürger sein Leben finanziell nicht mehr meistern kann.

Das gesellschaftliche Problem besteht insbesondere darin, dass die Verbraucher in Deutschland noch immer von Fragen der privaten Finanzen wenig bis keine Ahnung haben, wie Studien immer wieder belegen. Es geht damit los, dass in Familien wenig über Geld gesprochen wird, dass im Schulunterricht Verbraucherbildung noch immer stiefmütterlich behandelt wird, dass die provisionsorientierte Beratung in der jetzigen Form zu zweifelhaften Anreizen führt. Denn für den Berater sind häufig andere Produkte besser als für seinen Kunden, den er eigentlich gut beraten sollte. Der Berater ist somit Diener zweier Herren, was bekanntlich selten gut geht. Und noch etwas kommt hinzu: Der Verbraucherschutz in Deutschland ist derzeit noch immer nicht wirklich als Ziel der Finanzaufsicht verankert. Raum für Verbesserung ist also allerorten vorhanden.

Eines können Verbraucher aber sofort tun: Sich endlich selbst ihrer Verantwortung für ihre Finanzen bewusst werden, sich fortan aus vielen Quellen selbst schlau machen – und sich dann nicht mehr andauernd von Dritten vergackeiern lassen.

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