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Freitagsfrage – Was kommt eigentlich beim Insolvenzverfahren in den Niederlanden für deutsche Lehman-Zertifikate-Opfer herum?

Unmittelbar nach der Lehman-Insolzenz im Herbst 2008 standen tausende deutsche Zertifikateanleger über Nacht mit leeren Händen da – denn anfänglich sah es so aus, als würde aus dem Insolvenzverfahren nicht viel herausspringen. Doch weit gefehlt! Anleger, die die Zertifikate noch in ihrem Depot haben, könnten mit einem blauen Auge davon kommen.

Wie eine Recherche von mir für die aktuelle BÖRSE ONLINE-Ausgabe zeigt, kommt für geschädigte deutsche Zertifikate-Anleger aus dem Insolvenzverfahren der niederländischen Lehman-Tochter LBT mehr heraus als anfänglich erwartet.

Wie mir die zuständigen Liquidatoren der LBT von der Kanzlei Houthoff Buruma in den Niederlanden mitteilen, wurden durch die holländische Lehman-Tochter LBT allein auf die insgesamt 59 Emissionen mit deutscher Wertpapierkennummer in bislang vier Tranchen bereits 259 Millionen US-Dollar ausgeschüttet; dabei dürfte es sich in der Regel um Zertfikateemissionen für deutsche Privatanleger handeln. Auf sämtliche fast 3800 zum Insolvenztermin der LBT ausstehende Emissionen zusammengenommen wurden bislang bereits 8,5 Milliarden US-Dollar ausgezahlt.

Die Auszahlungsquote beträgt damit bis dato rund 26 Prozents des jeweiligen vom Insolvenzverwalter festgestellten Wert der Papiere bei Insolvenz. Und mit weiteren Auszahlungen sei noch zu rechnen. Denn die Gesamtforderung der niederländischen Liquidatoren in den USA belaufe sich auf rund 34 Milliarden US-Dollar, und die Liquidation der amerikanischen Muttergesellschaft (Lehman Brothers Holdings Inc.) ist noch nicht zu Ende.

Das ist eine positive Überraschung für die nach groben Schätzungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rund 50 000 geschädigten Anleger. Anfänglich hatten sie damit rechnen müssen, allenfalls Kleckerlesbeträge aus dem Insolvenzverfahren in den Niederlanden zu bekommen.

Banken und Sparkassen, allen voran Hamburger Sparkasse, Frankfurter Sparkasse, Sparkasse Hannover, Dresdner Bank (heute Commerzbank) und Citibank (heute Targobank) hatten sich kurz nach der Lehman-Pleite auf massive öffentliche Protesten und erheblichen Druck hin um Kulanzlösungen für ihre Kunden bemüht. Sie fielen sehr unterschiedlich aus. Zum Teil ließen sich die Banken die Zertifikate bei Einigung rückübertragen, zum Teil auch nicht.

Sofern deutsche Anleger die Lehman-Papiere noch in ihrem Depot liegen haben, profitieren sie von den Ausschüttungen im niederländischen Insolvenzverfahren automatisch; im US-Insolvenzverfahren mussten Anleger dagegen ihre Ansprüche gesondert anmelden. Anlegeranwälte gehen daher davon aus, dass Lehman-Geschädigte, die mit ihrer Bank einen guten Vergleich mit Quoten von mindestens 50 bis 80 Prozent geschlossen und darüber hinaus auch noch ihre Ansprüche im US-Insolvenzverfahren angemeldet haben, nun recht gut dastehen könnten. Aber der Schrecken, über Nacht eine stattliche Summe verloren zu haben, bleibt vermutlich vielen Lehman-Anlegern in den Gliedern stecken.

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