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Nachhaltige Geldanlagen – weiter Wachstum, aber auch Probleme

Der Markt ist zwar noch klein, aber er wächst stetig: Das Anlagevolumen von nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist 2012 weiter gewachsen und hat jetzt die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Das zeigt der Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2012. Doch Privatanleger müssen nach wie vor genau hinschauen, wo sie ihr Geld investieren, denn kaum eine „Grünanlage“ gleicht vom Konzept her der anderen.

Laut der Studie, die das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) veröffentlicht hat, konnten die nachhaltigen Anlagemärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen um knapp zehn Prozent zulegen. Das Marktvolumen aller drei Länder summierte sich Ende 2011 auf 103,5 Milliarden Euro. Allein auf Deutschland entfallen demnach rund 63 Milliarden Euro.

Einen wichtigen Teil daran haben die Kundeneinlagen der Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus, aber auch die Eigenanlagen der öffentlich-rechtlichen Förderbank des Bundes und der Länder. Ihr Anteil am nachhaltigen Anlagemarkt lag 2011 bei 63,8 Prozent, während auf Mandate 18,6, auf Publikumsfonds 15,7 und auf Zertifikate 1,9 Prozent entfielen.

Daneben berechnet das FNG noch so genannte Asset Overlays (Überlappungen) bei Geldanlagen, die im großen und ganzen konventionell investiert sind, bei denen aber die dahinter stehenden Fondsgesellschaften dazu übergangen sind, bestimmte Ausschlusskriterien auf ihre gesamten Assets anzuwenden. Das absolut dominierende Ausschlusskriterium sind dabei Investitionen in Hersteller von Streumunition. Die Macher der Studie sehen darin einen großen Fortschritt: „Die Anlagestrategie, Investments in ethisch bedenkliche Bereiche von vorneherein auszuschließen, ist im Mainstream angekommen“, sagte FNG-Vorstandsvorsitzende Volker Weber. „Es ist ein großer Fortschritt für uns alle, dass immer mehr Finanzinstitute Herstellern von Streumunition den Hahn zudrehen.“ Das kräftige Wachstum bei den nachhaltigen Anlagemärkten bezeichnet Weber als „einen beachtlichen und wichtigen Beitrag zu einer nachhaltiger ausgerichteten Wirtschaft.“

Seit 2005 hat sich laut FNG das Volumen nachhaltiger Publikumsfonds und Mandate mehr als vervierfacht. Auch im Vergleich zum konventionellen Markt habe sich der nachhaltige Anlagemarkt in Deutschland positiv entwickelt und Marktanteile gewonnen; doch ihr Anteil beträgt bislang erstmals knapp über ein Prozent.

Vor allem Geldanlagen, die mit Ausschlusskriterien arbeiten, haben laut FNG-Studie an Bedeutung gewonnen, während der Best-In-Class-Ansatz weniger wichtig geworden ist. Er hilft dabei, die Unternehmen herausfiltern, die im Branchenvergleich – salopp gesprochen – die Einäugigen unter den Blinden sind. Daher können in einem Best-in-Class-Fonds auch Unternehmen aus einer nicht gerade besonders umweltfreundlich geltenden Branche, wie etwa dem Ölsektor, stecken.

 Daher bleibt es für den Privatanleger weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe, etwa die Fonds herauszufiltern, die den persönlichen Anlagegrundsätzen entsprechen. Auf die Problematik hat auch die Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen in einer im Frühling 2012 vorgelegten Studie unseres Journalistenkollegen Jochen Bettzieche hingewiesen. Sie trägt den markanten Namen „Von ethischen Maschinenpistolen und ökologischem Uranabbau“.  Denn bislang legen die Fondsanbieter ethische, ökologische und soziale Kriterien jeweils anders aus. „Der Begriff nachhaltige Geldanlage verspricht viel – und bietet nicht einmal ein produktübergreifendes Mindestmaß an Ethik, Ökologie und Sozialem. Für Kleinanleger ist das ärgerlich, investieren sie doch mit diesen Fonds unter Umständen in Unternehmen, in die sie gerade nicht investieren wollen“, heißt es in der Studie. Das FNG wiederum hat dazu eine umfangreiche Stellungnahme herausgegeben und kritisiert, dass die Studie zum Teil unbegründete Schlussfolgerungen ziehe.

Das Fazit bleibt: Privatanleger müssen genau hinschauen, wenn sie ihr Geld nachhaltig etwa in Fonds investieren möchten. Eine Hilfestellung bietet die Website www.nachhaltiges-investment.org. Dort kann man anhand einer umfangreichen Liste von möglichen Ausschluss-, aber auch Performancekriterien herausfiltern, welcher Nachhaltigkeitsfonds zu den eigenen Ansprüchen passt. Mehr als 300 in Deutschland zugelassene Produkte sind darin gelistet. Doch wenn man beispielsweise nur die beiden Ausschlusskriterien Atomkraftwerke und Atomenergie eingibt, dann bleiben lediglich drei Fonds übrig. Ein üppiges Anlageuniversum sieht anders aus.

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