Unser Blog zu Geldanlage, Börse und ETF

Home » Unser Blog zu Geldanlage, Börse und ETF » Allgemein » Deutsche Lohnkosten als Allheilmittel?

Deutsche Lohnkosten als Allheilmittel?

Die Arbeitskosten in Deutschland steigen stärker als die in anderen europäischen Ländern. Im Schnitt legten sie in der Eurozone um 2,2 Prozent zu, in Deutschland aber um 2,8 Prozent. Für die einen ist das ein gutes Zeichen, andere fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit.

31 Euro – so viel musste ein Arbeitgeber nach einer Studie des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung IMF im Jahr 2012 im Schnitt in Deutschland seinen Arbeitnehmern für eine Stunde bezahlen. Inklusive alle Abgaben. Dem gewerkschaftsnahen Forschungsinstitut ist das naturgemäß nicht genug.

Denn sie folgen der Argumentation, die zuletzt auch die USA und die EU vertreten hatten: Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss ist nicht ein Grund zum Jubeln sondern Ursache vielen Übels. Gegen deutsche Anbieter könnten sich Firmen anderer Länder nur schlecht durchsetzten. Deshalb müsse Deutschland mehr für seinen Konsum und damit für seine Importe tun.

IMF Chef Gustav A. Horn geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur mehr Nachfrage sei gut für die anderen, auch steigende Löhne täten Not. Horn sieht in der Fixierung auf niedrige Löhne einen grundlegenden Fehler der Politik. „Die aktuellen Arbeitskosten-Daten signalisieren den vorsichtigen Einstieg in eine Korrektur.“

Für mich signalisieren die überdurchschnittlichen Steigerungen allerdings vor allem eines. Die Früchte der vergangenen Jahre werden jetzt an viele verteilt. Das ist goldrichtig und wird – gemeinsam mit den niedrigen Zinsen, die Sparen eher unattraktiv machen – für mehr Konsum sorgen. Der jüngste GfK Konsumklimaindex zeigt das an. Das hilft den europäischen Handelspartnern.

Kritisch wird die Argumentation für mich, sobald es um Lohnsteigerungen geht, die nicht Erwirtschaftetes verteilen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit mindern sollen. So nach dem Motto: Dann werden wir eben auch ein bisschen unattraktiver und kommen den anderen entgegen.

Das hilft nämlich auf Dauer niemandem in der Eurozone, weil die Welt eben nicht nur aus Europa besteht. Anbieter aus Asien oder Lateinamerika füllen sicher gerne die Lücke auf den internationalen Märkten, die ein schwaches Deutschland hinterlassen würde. Ein angeschlagenes Europa würde das aber nicht gesünder machen.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Weitere Beiträge
Schlagwörter:
Politik
0 Kommentare

Themen

Archiv

Autoren

Blog abonnieren

Unsere Bücher

Alle Bücher

Unser Team