Unser Blog zu Geldanlage, Börse und ETF

Home » Unser Blog zu Geldanlage, Börse und ETF » Private Finanzen » Anleihen: Ursachen für den Kursrutsch kennen und richtig handeln

Anleihen: Ursachen für den Kursrutsch kennen und richtig handeln

Ein Jammer für Bill Gross: Der Bondkönig hat als erster lauthals
propagiert, dass deutsche Staatsanleihen ein „short of a life time“ seien, also eine Riesen-Chance, Leerverkäufe zu tätigen. Doch als er
dies vor kurzem kundtat, setze er es nicht gleich in die Tat um. Denn noch
kauft die Europäische Zentralbank Staatsanleihen auf – das sollte die
Kurse vor einem Absturz sichern. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Der von professionellen Investoren viel beachtete Bund-Future
sackte seit Mitte April vom Jahreshoch von über 160 Basispunkten um
knapp vier Prozent ab. Zehnjährige Anleihen brachen um rund vier Prozent
ein, 30-jährige Anleihen verloren vom Top rund 14 Prozent.

Auch
Rentenfondsmanager Bill Gross sah das nicht so schnell kommen, die
Strategie „short of a life time“ war eher auf eine Sicht von ein oder
zwei Jahren gedacht. Doch weitere Fondsmanager stimmten ihm zu und
schneller als gedacht setzte eine Verkaufswelle ein.

„Es
ist wahrscheinlich, dass diese Entwicklung ihren Anfang nahm, als
Positionen – in diesem Fall Gewinnmitnahmen – geschlossen wurden, die in
Bezug zu Anlagestrategien im Zusammenhang mit dem Quantitative Easing
standen“, erklären Nicolas Chaput und Laurent Denize von  Oddo Asset
Management. So hätten beispielswiese amerikanische Anleger ihre Käufe
von europäischen Anleihen und ihre Sicherungsgeschäfte gegen den
Rückgang des Euro glattgestellt.
 
„Kluge machen Kasse“ rät Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.  Er warnt Anleger: Sie
gehen davon aus, dass die Zinsen für deutsche Anleihen bis Ende
2016 gar nicht steigen können, und kaufen verstärkt Rentenfonds, um Kursgewinne zu erzielen. Begründung:
Die Notenbank pumpt jeden Monat 60 Milliarden Euro in den Markt, davon
allein 10 Milliarden in deutsche Titel. Diese Summe ist weit höher, als an
deutschen
Anleihen
zum Verkauf steht – das drückt deren Zinsen und hebt die Kurse, so der Gedanke.
In der
Tat ging diese Rechnung bisher auf. Der Zins für zehnjährige deutsche
Staatsanleihen
brach
jüngst bis auf 0,05 Prozent ein. Doch deswegen jetzt noch auf Rentenfonds zu
setzen,
wie es
Anleger zunehmend tun, dürfte ins Fiasko führen. Der wohl wichtigste Grund: Die
EZB
will Staatsanleihen nur kaufen, wenn deren Rendite oberhalb ihres
Einlagezinssatzes
von
minus 0,2 Prozent liegt.“
Mehr dazu auch im Finanzjournalisten-Blog vom 21. April: ‚Draghis Gelddruckmaschine droht Gefahr‘. 

Zu
steigenden Zinsen und damit zu Kursverlusten mit Anleihen könnten aber auch
eine

bessere
Konjunktur und etwas höhere Inflationserwartungen führen, meint Albrech.
Unwahrscheinlich sei das nicht, da sich auch der ifo-Index im April
überraschend positiv entwickelt habe. Sein Fazit lautet daher:
Kluge
Anleger machen jetzt Kasse und sichern sich die – je nach Kaufzeitpunkt und Restlaufzeit
– teils erheblichen Kursgewinne. Das frei gewordene Geld sollte dann in
attraktivere
Anlageklassen, etwa den Aktienmarkt, fließen. Im Depot bleiben nur jene
Bundesanleihen,
die man wegen des attraktiven Kupons bis zum Ende der Laufzeit hält oder

mit denen man sich gegen Deflation und
andere Krisen absichert. Ein Rat, den Anleger mittelfristig beherzigen
sollten, wenn sie keine Verluste im Rentenportfolio oder mit
Anleihenfonds erleiden wollen. Kurzfristig scheint jedoch nach dem
Ausverkauf der größte Druck aus dem Markt entwichen.

Mehr Beiträge vom finanzjournalisten blog

Weitere Beiträge
0 Kommentare

Themen

Archiv

Autoren

Blog abonnieren

Unsere Bücher

Alle Bücher

Unser Team